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Einsatzbericht Hochwasser nach Unwetter
31.07.2006 (Einsatznr. 253)


Rein meteorologisch gesehen war es ein kräftiges Tiefdruckgebiet mit Zentrum bei Schottland, das dem Landkreis Reutlingen im Allgemeinen und der Stadt Metzingen im Besonderen Regen in Massen bescherte. Gegen 16 Uhr war ein Gewitter über die Stadt gezogen. Spürbar hatte der Wind einen Wetterwechsel eingeläutet. Eine Kaltfront verdrängte die über dem Südosten noch vorhandene schwülwarme Luftmasse mit einem heftigen Schauer. Innerhalb von rund einer Stunde wurden mehr als 50 Liter Wasser registriert.

 Um 16.42 Uhr ging bei der Metzinger Feuerwehr der erste Notruf ein. Zu diesem Zeitpunkt glaubte man noch, in der Reutlinger Straße müsse lediglich ein Gully eingesetzt werden. Noch ehe ein Fahrzeug ausrücken konnte, gingen bei der Leitstelle für Feuerwehr und Rettungsdienst in Reutlingen weitere Notrufe aus dem gesamten Stadtgebiet ein. Zwischenzeitlich drohte das Wasser in der Ziegeleistraße eine Transformatorenstation lahm zu legen.

Nachdem sich zwischenzeitlich herauskristallisiert hatte, dass vor allem rund um den Lindenplatz mit massiven Wassermassen zu kämpfen war, nachdem die Erms in der Mühlstraße hinter den Häusern aus ihrem Kanalbett getreten war, setzte die Feuerwehr dort massiv Kräfte ein. Außerdem suchte sich zu diesem Zeitpunkt ein zirka 15 bis 20 Zentimeter hoher Wasserwall vom Kreuzungsbereich mit der Christian-Völter-Straße seinen Weg durch die Reutlinger Straße bis zum Lindenplatz. Weil die Straße wegen aufgespülter Kanaldeckel streckenweise nicht mehr befahrbar war, sperrten Polizeibeamte kurzfristig die gesamte Innenstadt. Die Folge war ein Verkehrschaos. Kurzfristig staute sich der Verkehr auf der Bundesstraße bis kurz vor Reutlingen.

Die braunen und stinkenden Wassermassen ergossen sich derweil über der Brücke am Lindenplatz in die Erms. Weitaus dramatischer war jedoch, dass sich das Wasser auch seinen Weg in die Geschäfte der Reutlinger Straße suchte. Mit Sandsäcken hatten einige Geschäftsleute noch versucht, einen Schutzwall zu errichten, was jedoch nicht allen gelang. In einem Fabrikverkauf schwappten das Hochwasser zum Haupteingang hinein, um sich seinen Weg bis zum Hinterausgang zu suchen. Zu allem Übel tropfte es auch noch durch die Decke ins Untergeschoss, wo große Mengen an Bekleidung gelagert waren. Nicht weniger hart traf es ein weiteres Verkaufsgebäude, wo Hunderttausende von Litern Wasser in die Tiefgarage flossen. Geistesgegenwärtig hatten alle Beschäftigten ihre Fahrzeuge aus dem Gefahrenbereich bringen können, so dass nicht noch weiterer Schaden entstanden ist.

 Ebenso betroffen war neben zahlreichen Wohngebäuden im gesamten Stadtgebiet die Baustelle des neuen Geschäftshauses an der Reutlinger Straße. Dort hatte sich die Baugrube innerhalb von wenigen Minuten in eine riesengroße Seenlandschaft verwandelt. Weil befürchtet wurde, dass das neue Regenüberlaufbecken vom Hochwasser aufgeschwemmt werden könnte, wurde damit begonnen, Oberflächenwasser ins neue Sammelbecken zu pumpen. Gelassen nahem die ganze Sache die Bauarbeiter, die Feierabend machten.

Nach Auskunft der Feuerwehr Metzingen, die Vollalarm für alle drei Abteilungen ausgelöst hatte, waren die Brandschützer zu rund 25 Einsatzstellen in der Kernstadt und weiteren 15 Einsätzen in den Stadtteilen Glems und Neuhausen gerufen worden. Bis kurz vor Mitternacht waren die letzten Kräfte damit beschäftigt, voll gelaufene Keller auszupumpen. Fast schon an ein Wunder grenzt es, dass bei dem Unwetter niemand verletzt worden ist.