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Einsatzbericht Hochwassereinsätze
01.06.2013 (Einsatznr. 197)

Starke und langanhaltende Regenfälle bescherten der Feuerwehr Metzingen ein langes Wochenende. Seit Freitagabend bis am gestrigen Sonntag war die Gesamtfeuerwehr Metzingen im Dauereinsatz. Die Feuerwehr war bei ca. 80 Einsätzstellen mit weit über 100 Mann und sämtlichen Fahrzeugen im Einsatz. Ebenfalls war ein Fahrzeug der Feuerwehr Metzingen im Landkreis über 20 Stunden zur Überlandhilfe im Einsatz und unterstützte ihre Feuerwehrkollegen.


Metzinger-Uracher-Volksblatt:
Am Sonntagvormittag ein vorsichtiges Aufatmen bei den Feuerwehrleuten, Einsatzkräften der Polizei, Mitarbeitern der Bauhöfe und der Straßenmeisterei und auch vielen freiwilligen Helfern: Es regnete nicht mehr, zaghaft zeigte sich sogar die Sonne. Aber sie zeigte auch das ganze Ausmaß an Verwüstungen, die die schweren und vor allem andauernden Regenfälle in der Region angerichtet hatten. Die Feuerwehren in den einzelnen Orten haben noch keine detaillierten Zusammenfassungen, aber sie waren mehr oder weniger seit Freitagnachmittag bis Sonntagmorgen fast ununterbrochen im Einsatz.

Wer selbst Vorsorge treffen wollte, weil er mit Wasser im Keller oder der Tiefgarage rechnen musste, konnte Pech haben, denn Pumpen ausleihen oder kaufen war ab einer bestimmten Zeit fast nicht mehr möglich. Ein Anwohner an der Erms in der Metzinger Mühlwiesenstraße behalf sich gar mit Säcken mit Blumenerde, die mit Steinen beschwert wurden.

Seit Freitag wird in Bad Urach außerdem ein 46 Jahre alter Mann aus der Slowakei vermisst. Nachdem auf Grund anhaltender Regenfälle am Freitagabend die Gefahr bestand, dass eine Baustelle in der Stuttgarter Straße durch die Wassermassen der Elsach überflutet wird, war ein Arbeiter der bauausführenden Firma damit beschäftigt, Sicherungsmaßnahmen durchzuführen. Gegen 19.30 Uhr wurde er von Zeugen beim Versuch, ein Kabel aus der Elsach zu bergen, letztmals im Bereich der Baustelle gesehen. Gegen 23 Uhr verständigten Mitarbeiter den Bauleiter, dass ihr Polier spurlos verschwunden sei. Nachdem nicht ausgeschlossen werden konnte, dass der Arbeiter in die Elsach gestürzt ist, wurden unverzüglich umfangreiche Such- und Rettungsmaßnahmen eingeleitet. Von der anhaltend schlechten Witterung erschwert suchten Kräfte der Feuerwehr, des DRK, der Bergwacht und der DLRG bislang vergeblich nach dem Vermissten.

In der Gustav-Magenwirth-Straße in Bad Urach mussten nach einem Hangrutsch sieben Häuser vorsorglich von der Polizei evakuiert werden, die Bewohner kamen kurzfristig privat unter. Für die weitere Versorgung und Unterbringung von Betroffenen steht die Mensa einer angrenzenden Schule zur Verfügung. Bürgermeister Elmar Rebmann war am Sonntag gemeinsam mit der Feuerwehr und einem Geologen vor Ort, „um die Lage zu sondieren“. Vor allem im Bereich des Mühlplatzes hatten die Mannen der Dettinger Feuerwehr mit den Fluten der Erms zu kämpfen; insgesamt gab es hier rund 50 Einsätze.

Ein regelrechter „Katastrophentourismus“ war in Neuhausen am Samstag festzustellen: Im Bereich etwa der Hofbühlhalle im Gebiet „Kies“ und auch weiter flussabwärts, bei „Schwenk und Zink“, war die Erms so weit über die Ufer getreten, dass Gärten, Äcker, Wege und beispielsweise auch das Züchterheim unter Wasser standen. Gesperrt werden musste zeitweise wegen Überflutung die Straße nach Glems. „Mit den üblichen Hochwasserschutzmaßnahmen kann man da nichts machen“, so Oberbürgermeister Dr. Ulrich Fiedler am Samstag vor Ort, „weil der Regen flächig fiel und die Erms alles aufsammelte“. So war zu beobachten, dass bislang hochwassergefährdete Bäche an diesem Wochenende kaum Schäden anrichteten, das Wasser an anderer Stelle „zuschlug“. Die Feuerwehren waren fast ohne Pause seit Freitagmittag im Einsatz, von mehr als 80 Einsätzen allein bei der Abteilung Stadtmitte berichtet der stellvertretende Kommandant, Robin Diez.

In Riederich hatten die Feuerwehr und Kommandant Harald Hacker bereits am Freitagabend Sandsäcke an strategisch wichtigen Stellen gelagert, die dann am Samstag zum Einsatz kamen. Auch in Bempflingen standen viele Keller in Ermsnähe unter Wasser. Laut Kommandant Frank Schmid haben sich vor allem die Hochwasserschutzmaßnahmen am Steidenbach bewährt.

„Sehr, sehr glimpflich“ abgelaufen ist das Hochwasser der Erms in Neckartenzlingen, wo laut Feuerwehrkommandant Gerd Lohrmann durch frühzeitig eingeleitete Maßnahmen und Präsenz das Schlimmste abgewendet werden konnte. Bereits am Samstagmittag hatte Bürgermeister Herbert Krüger – der, wie Riederichs Bürgermeister Tobias Pokrop, stets den Erms-Pegel im Blick hatte – festgestellt, dass sich die Flutmulde auch bei Wassermassen in diesen Dimensionen bewährt hat.

Als in Neckartenzlingen bei der Erms so etwas wie eine Entwarnung gegeben wurde, schwoll der Neckar immer höher an. Nachdem die Marke von 5,91 Meter beim Pegel Kirchentellinsfurt erreicht wurde, errichtete die Feuerwehr in Richtung Neckartailfingen einen so genannten Dammverschluss und sperrte die Bundesstraße 297. Die Bevölkerung entlang des Neckars wurde morgens gegen 3 Uhr mit Lautsprechern vor dem Hochwasser gewarnt.

Zum Vergleich: Bei der schlimmen Überflutung im Jahr 2002 lag der Pegel der Erms (das Pegelhaus steht in Riederich) bei 1,91 Meter – am Samstag lag er gegen 14 Uhr bei 2.16 Metern (Vergleich Donnerstag: 70 Zentimeter). Damit wurden die Höchstmarken von 1971 (211 Zentimeter) 1938 (207) übertroffen.

Durch die Wassermassen kam es auch zu Hangrutschen und damit zu Verkehrsbehinderungen. So waren die St. Johanner und die Böhringer Steige zeitweise gesperrt.

Inzwischen hat sich die Wetterlage beruhigt, die Einsatzlage hat sich auch laut Polizei entspannt. Jetzt beginnt für die Betroffenen das große Aufräumen.

(Quelle: SWP  http://www.swp.de/metzingen/lokales/ermstal/Nass-nass-und-nochmals-nass;art1158525,2030254 )

Video vom Hochwasser in Metzingen - Ermstal-TV